Konsumverhalten und Impulskäufe

My home is my castle. Das war für mich schon immer Programm. Ich liebe mein Zuhause und finde es schön, wenn alles harmonisch zusammenpasst. Ich mag es, mir regelmäßig neue Möbel oder Dekoartikel zu kaufen, sie in meinen eigenen vier Wänden in Szene zu setzen und mich an neue Wohntrends heranzuwagen. Genau das macht mir riesigen Spaß. Ebenso verhält es sich mit Mode. Auch an dieser Materie habe ich Spaß. Ich kaufe mir, wie fast jede Frau, sehr gerne neue Kleidung. Trage gerne ausgefallene, moderne Klamotten und liebe es, mein Outfit nach Belieben zusammenzustellen und zu perfektionieren. Natürlich muss man, wenn man möchte, dass neue Trends im eigenen Zuhause oder im Kleiderschrank einziehen, gewisse Dinge besorgen bzw. kaufen. Wenn plötzlich Teppiche mit geometrischen Formen oder Hosen mit Karomuster der letzte Schrei sind, muss man sich auf die Suche nach derartigen Exemplaren machen.

Ich habe an mir selbst beobachtet, dass ich sehr häufig unmittelbar nachdem ich irgendetwas Neues auf Pinterest oder Instagram gesehen habe, sofort damit begonnen habe, das Internet danach zu durchforsten. Wenn ich fündig wurde, habe ich mir die besagte Sache unmittelbar bestellt und mich im Folgenden riesig darüber gefreut, wenn sie bei mir eintraf. 

Doch wie lange währt diese besagte Freude? Stellt diese Freude gleichzeitig auch Zufriedenheit dar? Bin ich zufriedener mit mir und meinem Leben, wenn ich mir etwas gekauft, mithin gegönnt habe?

Die Kernfrage lautet: macht Konsum zufrieden?

Ich habe mein Konsumverhalten in letzter Zeit genauer unter die Lupe genommen und es ist mir aufgefallen, dass ich enorm zu Impulskäufen neige. Diese Impulse werden sehr häufig durch die social media erzeugt, denn schließlich wird man dort mit all den scheinbar überlebenswichtigen Gegenständen konfrontiert, die ja offenbar so schrecklich wichtig für das eigene Seelenheil sind. Einerseits erfolgt diese Konfrontation natürlich in Form von gezielter Werbung, die überall lauert – egal, ob zwischen den Beiträgen, der abonnierten Accounts oder den InstaStories, die man regelmäßig schaut. Andererseits erfolgt diese Konfrontation allerdings durch die Vielzahl an Bildern die man konsumiert, ohne das diese auch nur im Entferntesten mit Werbung zu tun haben. Wenn meine Bekannte XY eine neue coole Jeansjacke trägt, die mir unheimlich gut gefällt und ich so eine auch schrecklich gern haben möchte, steigt mir der Gedanke, genauso eine Jeansjacke zu kaufen ebenso schnell in den Kopf, wie wenn mir die genannte Jeansjacke in Form von bezahlter Werbung zugestellt wird.

Mir ist klar geworden, dass ich in dieser ganzen Konsummaschinerie, mit all den verlockenden Rabattcodes, einmaligen Angeboten und den absolut neusten Trends nicht mehr mit machen möchte. Ich lege nun also eine Vollbremsung ein und steige an dieser Stelle aus. Denn mir macht es zunehmend Sorge, dass wir uns so sehr mit der bloßen Form, mithin der Materie und all ihren unterschiedlichen Facetten befassen und letztlich auch identifizieren. Ich habe also bin ich. Und umso mehr ich habe umso mehr bin ich, nicht war?! Äh nein!

Materielle Dinge werden oft gleichgestellt mit Glück und Zufriedenheit. Dies kommt größtenteils dadurch zum Ausdruck, dass wir uns denken: „wenn ich diese Sache habe, bin ich garantiert total happy“, „alle haben diese Sache und ich möchte sie auch haben, um mithalten zu können“ oder „X hat diese Sache und ich finde ihn/sie so toll, dass ich möchte, dass ein bisschen etwas von seiner/ihrer Coolness auf mich abfärbt.“ 

Dinge im Außen können uns jedoch nicht glücklich und zufrieden machen. Das was uns wirklich glücklich und zufrieden machen kann, finden wir nur in uns selbst. Die Form, das, was wir sehen, anfassen und besitzen können, ist und bleibt vergänglich. Jede Sache, jedes Ding, jedes Tier und letztlich auch unser Körper, sind vergänglich. Wir können aus diesen, nur vorübergehend existenten, Dingen keine tiefe Zufriedenheit generieren, weil sie schlichtweg keinen Bestand haben. Wir können unsere Zufriedenheit nicht daraus schöpfen, wie wir aussehen, wie viele Muskeln wir haben, welches Kleid wir tragen oder dergleichen, denn all das wird irgendwann in sich verfallen. Und wisst ihr was? Das ist halb so wild. Alt zu werden, Dinge zu verlieren – all das ist bedeutungslos, wenn wir wirkliche Zufriedenheit erlangen. Wo finden wir diese? In uns. Wenn wir erkennen, dass wir ein wirkliches Wunder sind, dass wir mit allem verbunden sind und sich die Dinge ganz von allein zum Positiven wandeln, wenn wir es nur zulassen, dann kehrt automatisch Zufriedenheit in uns ein. Hierfür müssen wir aufhören, an Gegenständen zwanghaft festzuhalten, Widerstände in uns loslassen, Veränderungen annehmen und das Leben als das erkennen, was es wirklich ist: ein Fluss! Es fließt, egal, was wir auch unternehmen mögen und es reißt uns mit. Jede Situation ist nur von kurzer Dauer und egal, ob sie positiver oder negativer Natur ist, sie geht vorbei. Das heißt wir müssen uns im Fall, dass sie positiv ist, vergegenwärtigen, dass wir sie in vollen Zügen genießen und uns für den Fall, dass sie negativ ist klar machen, dass sie ist wie sie ist und sie vorübergehen wird.

Seit ich die Vergänglichkeit, die jeder Sache innewohnt, für mich erkannt habe, habe ich aufgehört wahllos Geld für Dinge auszugeben, von denen ich fälschlicherweise angenommen habe, sie könnten mich glücklich machen. Ich hinterfrage nun bei jeder Sache, die ich mir gerne anschaffen möchte, ob ich sie wirklich brauche und ob ich denke, dass meine Zufriedenheit von ihr abhängt. Nahezu immer lautet die Antwort auf diese Frage „nein“. 🙂

Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, in einer Welt, in der uns von überall unzählige Dinge anlachen, die uns das Leben leichter, schöner und bedeutender machen sollen, einen Moment inne zu halten und sich sowie das eigene Verhalten zu reflektieren und sich dabei zu fragen, wie wichtig dieser Gegenstand einem tatsächlich ist. Ob er einen wirklichen Nutzen für einen bereithält oder ob es allein ein spontaner, unüberlegter Impuls ist, der uns zu diesem Kaufentschluss bewegt. Probiert es einfach mal aus und ihr werdet feststellen, wie wenig man tatsächlich braucht, um wirklich glücklich und zufrieden zu sein.