Sucht ☾ ein Hilfeschrei der Seele, der kaum Gehör findet

In unserer Gesellschaft gibt es kaum jemanden, der nicht an einer Sucht leidet. Einzig das Suchtmittel und die Intensität der Sucht variieren. Die einen sind süchtig nacht Zigaretten, übermäßigem Essen, Alkohol oder einfach nur danach möglichst viel Spaß und Nervenkitzel zu erleben, weil sie sich in diesem Zustand am lebendigsten fühlen und sich selbst am meisten spüren. Eine Sucht ist grundsätzlich mit einem Hilferuf der Seele gleichzusetzen.

Der oder die Süchtige versuchen, damit auf einen Mangel oder einen Missstand aufmerksam zu machen. Während eine herkömmliche Therapie die Sucht ins Zentrum stellt, ihr viel Raum zuspricht und versucht einen Schuldigen für das jeweilige zwanghafte Verhalten zu finden, ist es von entscheidender Bedeutung nicht die Sucht selbst in den Mittelpunkt zu rücken, sondern die Auslöser für das zwanghafte Verhalten ausfindig zu machen. Wo kommt das jeweilige Suchtverhalten eigentlich konkret her?

Häufig spüren die Betroffenen in sich genau, wo ihre Störung herrührt, wollen sich damit aber nicht auseinandersetzen und verdrängen den Ursprung ihres Suchtverhaltens konsequent. Da Süchte ein Phänomen unserer Gesellschaft sind, drängt sich die Frage auf, was es an unserer Gesellschaft ist, das die Menschen in die Sucht treibt.

Unsere heutige Gesellschaft setzt Leistung, Erfolg und materiellen Reichtum an die Spitze all dessen, was an­stre­bens­wert ist und wodurch man sich von anderen abheben kann. Sich selbst auf und die anderen abzuwerten, wird als das Ziel schlechthin verstanden: „Ich kann das besser“, „Ich habe recht“, „Ich habe mehr als du“ – all diese Gedanken stärken unser Ego, anstatt, dass sie uns glücklich und zufrieden machen. Glück und Zufriedenheit lassen sich in der „Form“, im Außen, nicht finden, sondern allein im Inneren deiner selbst: im Formlosen. Nur dort kann auch eine Sucht, die durch den kollektiv akzeptierten Mangel, der unserer Gesellschaft immanent ist, hervorgerufen wird, geheilt werden.

In unserer Gesellschaft dominiert der Wunsch nach Erfolg, Anerkennung und materiellen Gütern. Doch nicht nur nach ein bisschen Erfolg, ein wenig Anerkennung und ein paar materiellen Gütern, sondern das Bedürfnis nach „mehr“, das sich auch Verlangen nennt, ist unersättlich. Denn innerlich bescheren uns materielle Güter keine langanhaltende Zufriedenheit und so wächst das Verlangen mit jedem Gegenstand und jedem Stück Erfolg, den wir erreichen, stetig weiter, bis es sich in einem unstillbaren Wunsch nach Mehr manifestiert hat. Die kurzweilige Befriedigung, die das Kaufen eines Gegenstandes oder das Lob des Vorgesetzten mit sich bringt, wird durch immer neues, aufflammendes Verlangen nach weiteren Gegenständen und neuer Anerkennung verdrängt. Dieser Antrieb ist nicht mehr bloß als authentisches Bedürfnis zu verstehen, sondern bereits als eine unstillbare Sucht.

Das geschilderte psychologische Bedürfnis nach mehr oder das Gefühl, noch nicht genug materielle Güter zu besitzen, das so bezeichnend für unsere Gesellschaft und unser Ego ist, wird auch auf die physische Ebene übertragen und äußert sich dort als unstillbarer Hunger nach Sport, Essen, Parties, Zigaretten und anderen Dingen.

Während der Körper mit Alkohol, Essen etc. vollgestopft wird, hungert die Seele weiter. Das einzige, das tatsächlich eine Hilfe darstellt, ist „Futter für die Seele“. Nur dies kann den Mangel ausgleichen, der die Sucht hervorbringt.

Wenn dir diese Zeilen gefallen haben und du weitere Fragen hast, würde ich mich freuen, wenn du Kontakt zu mir aufnimmst. Hier findest du das dafür vorgesehene Kontaktformular.